Zu einer ganzheitlichen Entwicklung eines Kindes gehört Bewegung unabdingbar dazu, ja sie stellt eine Grundlage für die geistige und seelische Entwicklung dar. Mit einem Fachwort heißt dies: Psychomotorik.

Was ist Psychomotorik?

Ernst J.Kipphardt bezeichnet mit der Psychomotorik die enge Wechselbeziehung zwischen seelischen und körperlichen Vorgängen. Das sind alle bewußten Bewegungsabläufe, wie z.B. Gehen, Sprechen und Tasten. Gefühle und Stimmungen drücken sich in Körperhaltungen und Bewegungen aus. Umgekehrt können Emotionen durch körperliche Aktivitäten beeinflusst werden. So liegt in der Bewegung die Verbindung von Körper, Geist und Seele. Dieses in Einklang zu bringen, sehen wir als unsere Aufgabe.

Denn Sinne, Motorik, Gefühle und Sprache sind Anfang und Ursprung geistiger Entwicklung.

Jean Piaget spricht von der "sensomotorischen Entwicklung" (= die Wahrnehmung mit allen Sinnen). Das heißt, die Basis der Intelligenz ist die Wahrnehmung mit allen Sinnen über die Bewegung. Je mehr die Kinder aus sich heraus durch Bewegung die Umwelt erleben, desto günstiger verläuft die psychische und geistige Entwicklung der Kinder. Alles, was Kinder mit ihren Sinnen greifen können, können sie auch begreifen.

Spontaneität, Bewegungsdrang und Neugier, sind die Triebfedern für die Entwicklung der Sinne. Und durch Bewegungssituationen entstehen auch immer soziale Lernprozesse.

"Psychomotorik" verstehen wir als ein Konzept ganzheitlicher Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung durch Wahrnehmung und Bewegung.

Mit dem Begriff Psychomotorik wird die enge Verbindung des Geistig – seelischen und des Körperlich – motorischen gekennzeichnet.

Pschomotorik fördert

Sensorische Fähigkeiten  Motorische Fähigkeiten  Geistige Fähigkeiten  Sozio-emotionale Fähigkeiten 

Psychomotorisches Lernen findet statt, wenn Kinder ihren Spiel- und Bewegungsbedürfnissen nachgehen können und darüber hinaus bei allen sonstigen Tätigkeiten praktische Erfahrungen sammeln. Psychomotorisches Lernen findet verstärkt statt, wenn Kinder eine bewegungsfördernde Umwelt vorfinden.

Einfach gesagt: Jeder Bewegungsablauf ist ein psychomotorischer Ablauf, auch ohne eine Spielidee von uns Erzieherinnen.

An Hand des folgenden Beispieles zeigen wir auf, was Kinder dabei lernen:

Kinder spielen in der Puppenecke, sie kochen, rühren dabei mit einem Schneebesen in einem Topf.

Geistige Fähigkeiten

Was brauche ich zum rühren?

Was mache ich, damit die Schüssel nicht herunter fällt oder umkippt?

Die eine Hand hält den Topf und die andere Hand rührt

(Auge – Hand – Koordination)

Motorische Fähigkeiten

Die Kinder müssen die Schüssel und den Schneebesen aus dem Schrank holen. Die Kinder machen durch das Rühren mit dem Schneebesen kreisende Bewegungen mit dern Hand (Feinmotorik)

Sensorische Fähigkeiten

Wie fühlt sich der Schneebesen an, ist der Griff wellig, rauh oder glatt, kalt oder warm? Welche Farbe hat der Topf, ist er schwer oder leicht? usw.

Sozial-Emotionale Fähigkeiten

Die Kinder sprechen sich ab, wer für was bei der Zubereitung des Essens zuständig ist.

Wir bräuchten eigentlich keine Spielideen einzubringen, Gert Regels einfacher Leitsatz lautet:



"Laßt die Kinder spontan spielen, damit sie sich entwickeln können!"

Leider sieht der Alltag der Kinder oftmals anders aus. Sie haben wenig Möglichkeiten ihre Spielfreude auszuleben. Wir Erwachsenen grenzen dies häufig ein, z.B. weil Kinder sich nicht schmutzig machen sollen, weil wir den Bewegungsdrang durch Ruhewünsche einengen oder weil wir nur bestimmte, zumeist geistige Entwicklung als wichtig ansehen. Wenn Erwachsene diesen Anspruch haben, wird den Kindern der Mut genommen, etwas auszuprobieren und sich ihre Welt zu erobern.

Wenn die Kinder nicht selbst ihre eigenen Fähigkeiten erfahren können, kann ein Teil ihrer motorischen Entwicklung nicht stattfinden und sie werden nicht selbstsicher.

Man sollte Kinder lehren,
ohne Netz auf einem Seil zu tanzen,
bei Nacht allein unter freiem Himmel zu schlafen,
in einem Kahn auf das offene Meer hinaus zu rudern.
Man sollte sie lehren sich Luftschlösser,
statt Eigenheime zu erträumen.
Nirgendwo sonst als nur im Leben zu Haus zu sein,
und in sich selbst Geborgenheit zu finden.


Aus dem Buch: Mit Kindern jeden Tag erleben
Verlag: Peter Höll - Getextet von Armin Krenz

Kletterwand: 1x wöchentlich, mittwochs, besuchen wir mit jeweils 9 Kindern das angrenzende Jugendzentrum, um die dort installierte Kletterwand zu nutzen.